Umbau einer Privatvilla
Das Runde zu Ende denken
Nachdem die Kinder ausgezogen waren, bot sich die Gelegenheit, das Haus vollständig auf die neue Lebenssituation seiner Bewohner auszurichten. Im ersten Gespräch ging es deshalb nicht um Farben oder Möbel, sondern um den Alltag der Bauherren. Welche Räume werden heute tatsächlich genutzt? Wo verbringt man gerne Zeit? Was hat sich verändert?
Im Mittelpunkt lag ein zweigeschossiges, kreisrundes Entrée mit freitragender Treppe und umlaufender Galerie. Es war die stärkste architektonische Idee des gesamten Hauses – allerdings nie konsequent zu Ende gedacht.
In den gebogenen Wänden steckten gerade Türen. Auf dem Boden lagen quadratische Granitfliesen. Der Kreis war zwar vorhanden – es steckte aber noch erstaunlich viel Eckiges im Runden.
Genau hier begann unser Entwurf.
Wenn ein Haus von einer solchen Geometrie lebt, sollte sie überall selbstverständlich weitergeführt werden. Im Erdgeschoss ersetzten wir die bisherigen Türen durch gebogene Ganzglastüren mit sichtbar geführten Edelstahlbeschlägen. Im Obergeschoss entstanden gebogene, schallgedämmte Holztüren als Sonderanfertigungen sowie gebogene Schiebetüren zum Schlafzimmer.
Auch der Natursteinboden des Entrées wurde vollständig neu geplant. Statt quadratischer Fliesen folgen die Platten heute strahlenförmig der Kreisgeometrie und laufen auf einen vier Meter großen, ultramarinblauen Teppich zu, der den Mittelpunkt des Hauses betont.
Mit derselben Konsequenz wurde auch der Grundriss neu geordnet.
Zwischen Küche, Essbereich und Wohnzimmer entfernten wir Wände und öffneten die Durchgänge so weit wie möglich. Die Räume gehen heute fließend ineinander über und orientieren sich selbstverständlich am runden Zentrum des Hauses.
Auch der Kamin wurde neu gedacht. Vor dem Umbau stand er zwar an der runden Wand des Wohnzimmers, orientierte sich jedoch mehr in Richtung Fenster, als in den Raum. Der neue Kamin besitzt zwei Schauseiten und bildet den Mittelpunkt des Loungebereiches. Zwei frei stehende, dunkel gebläute Stahlplatten stehen vor einer Messingfläche, die das Licht der Flammen reflektiert und dem Feuer zusätzliche Tiefe verleiht. Auch ohne Feuer können die Flächen mit versteckten LED’s beleuchtet werden.
Im Essbereich entwickelten wir einen geschwungenen Einbauschrank. Seine konkave Form bildet den räumlichen Gegenpol zum runden Entrée, gibt dem großen Esstisch einen Mittelpunkt und verbindet gleichzeitig Wohn-, Ess- und Küchenbereich zu einem zusammenhängenden Raum.
Der große Esstisch entstand als Sonderanfertigung. Bevor der Tischler mit der eigentlichen Fertigung begann, wurde zunächst ein Modell im Maßstab 1:1 aufgebaut. Erst nachdem Proportionen, Bewegungsflächen und Sitzpositionen überzeugten, entstand der fertige Tisch.
In die Glasrückwand der Anrichte wurde eine Ätzgrafik mit Motiven aus der Salle des Taureaux von Lascaux eingearbeitet. Die prähistorischen Jagdszenen stehen dabei nicht zufällig im Essbereich. Sie erinnern an den Ursprung gemeinsamer Mahlzeiten und verleihen diesem Ort eine zusätzliche inhaltliche Ebene.
Die Küche erhielt deutlich mehr Platz und wurde zum eigentlichen Treffpunkt des Hauses. Die professionellen Geräte von Gaggenau gaben dabei die Materialität vor. Da uns aber gebürstetes Blech zu empfindlich war, haben wir uns für richtungslos mattierte Arbeitsflächen aus unzerstörbaren 10mm Edelstahl entschieden. Insgesamt wurden rund 740 Kilogramm Edelstahl verarbeitet.
Während der Planung erzählten uns die Bauherren von ihrer zweiten Leidenschaft. Einen großen Teil des Jahres verbringen sie auf ihrer Yacht im Mittelmeer. Dieses Lebensgefühl sollte sich im Haus wiederfinden – allerdings nicht durch maritime Dekoration, sondern durch Materialität, Präzision und handwerkliche Qualität.
Gemeinsam fuhren wir deshalb zum Holzhändler und suchten den Stamm aus, aus dem später große Teile des Innenausbaus entstehen sollten. Die Wahl fiel auf Amazakoué, einen afrikanischen Nussbaum. Aus diesem einen Stamm wurden der Parkettboden des Erdgeschosses, Einbaumöbel sowie die massiven, handgezinkten Schubkästen in Küche und Essbereich gefertigt. Das Holz verbindet die Räume nicht nur gestalterisch, sondern buchstäblich durch seine gemeinsame Herkunft.
Von der Küche aus fällt der Blick durch das Entrée bis in den Wohnbereich. Solche Sichtbeziehungen ziehen sich durch das gesamte Haus. Sie lassen die Räume größer erscheinen und verbinden die einzelnen Wohnbereiche zu einem räumlichen Ganzen.
Ebenso deutlich wurde die Neuorganisation im Obergeschoss.
Vor dem Umbau führte der Weg zunächst in eine Ankleide. Von dort gelangte man links in das Schlafzimmer und rechts in das Bad. Ausgerechnet der schönste Raum mit Morgensonne und Blick auf die Dachterrasse war also der Ankleide vorbehalten.
Das erschien uns als verschenkte Qualität.
Deshalb lösten wir die gesamte Raumstruktur auf. Heute bildet das Schlafzimmer den Mittelpunkt der oberen Wohnebene. Links schließt sich die Ankleide an, rechts das Bad. Transparente Glaswände verbinden die Bereiche zu einer offenen En-suite-Lösung, ohne ihre Funktionen aufzugeben.
Auch das Bad stellte uns vor eine konstruktive Aufgabe. Eine Wand der Dusche folgt der Rundung der Galerie. Für eine solche Geometrie gibt es weder passende Duschtassen noch Fliesen oder Naturstein, die sich in dieser Form verarbeiten lassen.
Deshalb entstand die gesamte Dusche als maßgefertigte Corian-Konstruktion. Wände und Duschtasse wurden fugenlos gefertigt und erst auf der Baustelle dauerhaft miteinander verbunden. Alle Innenecken erhielten Hohlkehlen, damit sich die Flächen leichter reinigen lassen.
Unter der Dachschräge, dort wo die Raumhöhe zum Stehen nicht mehr ausreicht, entstand eine beheizte Sitzbank aus Anröchter Dolomit. Aus einer konstruktiven Notwendigkeit wurde so ein selbstverständlicher Teil des Entwurfs.
Nahezu jedes Möbel dieses Hauses wurde eigens für dieses Projekt entwickelt. Nicht weil Standardlösungen grundsätzlich schlechter wären, sondern weil sie den Möglichkeiten dieses Hauses nicht gerecht geworden wären. Viele dieser Details fallen beim ersten Besuch kaum auf. Genau das war beabsichtigt.
Der Umbau einer Privatvilla ist immer auch ein sehr persönliches Projekt. Man lernt die Menschen kennen, spricht über ihren Alltag und entwickelt gemeinsam Lösungen, die weit über eine neue Einrichtung hinausgehen. Dieses Haus entstand nicht aus einer gestalterischen Idee, sondern aus vielen konsequenten Entscheidungen, die alle dieselbe Frage beantworteten:
Wie lässt sich ein bestehendes Haus so weiterdenken, dass es sich anfühlt, als wäre es nie anders geplant gewesen?
Weiterführende Informationen
- Luxus Wohnen – Veröffentlichung
- Braun Publishing: Posh & Proud – Interior Design
Projektdaten
- Projekt: Umbau einer Privatvilla
- Ort: Krefeld
- Fertigstellung: 2014
- Leistungen: Innenarchitektur, Möbelentwurf, Lichtplanung, Detailplanung
-
Veröffentlichungen: Luxus Wohnen, Posh & Proud – Interior Design (Braun Publishing)
- Besonderheiten: kreisförmiges Entrée als Entwurfszentrum, gebogene Ganzglastüren, gebogene Schallschutztüren, radial verlegter Natursteinboden, maßgefertigte Corian-Dusche, Sondermöbel, handgezinkte Schubkästen aus einem gemeinsam ausgewählten Stamm Amazakoué, Arbeitsplatten aus 10 mm massivem Edelstahl
Ein Zuhause entsteht nicht durch Quadratmeter.
Es entsteht aus den Menschen, die darin leben, ihren Gewohnheiten und den vielen kleinen Entscheidungen, die den Alltag angenehmer machen. Deshalb beginnen unsere Entwürfe nicht mit Möbeln, sondern mit Gesprächen.
Wenn Sie über den Umbau oder die Neugestaltung Ihres Hauses sprechen möchten, freuen wir uns auf ein Gespräch.
Telefon: 02151 736005
E-Mail: k.buerger@k-buerger.de