Düsseldorf Apotheke, Bilk

Düsseldorf, 2019
Apotheker Dr. Gregor Müller

Die Apotheke für Düsseldorf

Mit dem Projekt „Düsseldorf Apotheke“ wollte die bisherige Albert Schweitzer Apotheke neue Wege beschreiten. Kundennähe, herzliche Betreuung und kompetente Beratung rund um alle Fragen der Gesundheit sollten erhalten bleiben. Gleichzeitig sollten die einzelnen Standorte unter einem Namen zusammengeführt werden, der ihre Verbundenheit mit der Stadt ausdrückt: die Apotheke für Düsseldorf.

Doch wie lässt sich das Thema „Düsseldorf“ räumlich übersetzen? Weniger über bekannte Wahrzeichen als über das Lebensgefühl der Stadt und die Eigenheiten ihrer Stadtteile. So entstand die Idee, jeder Apotheke ihren ganz eigenen lokalen Charakter zu geben.

Ein Friseursalon in Unterbilk

Der Standort in Unterbilk bot dafür ideale Voraussetzungen. Rund um die Bilker Kirche prägen kleine, von Bäumen gesäumte Straßen, individuelle Geschäfte, Cafés und Restaurants das Bild. Trotz seiner urbanen Dichte hat der Stadtteil einen beinahe dörflichen Charakter und ein starkes nachbarschaftliches Miteinander.

Blickt man von hier aus die Wissmannstraße hinunter, so sieht man in ihrer genauen Flucht das Schaufenster und den Eingang der Apotheke. In den ehemaligen Räumen eines Friseursalons entstanden auf 196 Quadratmetern im Erdgeschoss die neuen Räumlichkeiten. Zwei Eingänge weiter links öffnet sich die geschlossene Blockrandbebauung zu einer Toreinfahrt in den Hinterhof, der einen großzügigen Parkplatz und die direkte Anbindung an einen REWE-Markt bietet.

Offenheit statt Hintereingang

Zur Bilker Allee öffnet sich die Apotheke über eine großzügige Glasfassade. Gleichzeitig besteht ein zweiter Zugang vom rückseitigen Parkplatz über einen Hintereingang.

Ein wesentlicher Entwurfsansatz bestand darin, diesen rückwärtigen Zugang nicht wie einen Nebeneingang wirken zu lassen. Stattdessen fällt dem Besucher sofort der offene Arbeitsbereich ins Auge. Hinter einer niedrigen Abtrennung liegen die Arbeitsplätze des Teams ebenso wie die Warenwirtschaft und der Lagerautomat. Kunden erhalten so Einblicke in die Abläufe der Apotheke und können unmittelbar Kontakt aufnehmen.

Die Apotheke sollte die kommunikative Offenheit des Stadtteils aufnehmen und ein freundliches Umfeld schaffen, in dem sich Kunden willkommen fühlen. Obwohl die Offizin bereits 89 Quadratmeter umfasst, entsteht durch die Einbeziehung des Arbeitsbereichs ein deutlich großzügigeres Raumgefühl.

Helles Tannenholz, gedeckte Erdtöne und zartblaue Wandflächen prägen die Atmosphäre. Antik anmutende Zementfliesen erinnern an eine französische Markthalle, während rustikale Eichenoptik den Übergang zwischen Kunden- und Arbeitsbereich markiert. Schwarz akzentuierte Einbauten setzen dazu einen bewussten Kontrast.

An fünf Handverkaufstischen können Kunden ohne lange Wartezeiten beraten werden. Die zehn Meter lange Sichtwahl bildet den Rücken des HV-Bereichs und integriert gleichzeitig die Ausgabestellen des Lagerroboters.

Treffpunkt im Herzen der Apotheke

Zentraler Mittelpunkt der Apotheke ist eine 2,8 Meter lange Sitzbank mit großzügiger Rückenlehne in kräftigem Kurkumagelb. Sie bildet einen bewusst gestalteten Aufenthaltsbereich im Zentrum des Raumes – zum Warten, Verweilen oder auch zum Laden des Smartphones.

Die Mitte der Offizin blieb bewusst frei von hohen Regalen. Stattdessen sorgen flexible Aktionstische für Offenheit und ermöglichen saisonale Präsentationen. Zum transparenten Konzept gehört auch die gläserne Rezeptur direkt neben dem Wartebereich, die Einblicke in die tägliche Arbeit der Apotheke erlaubt.

Hinter einer Glastür befindet sich der Beratungsraum. Gemeinsam mit dem angrenzenden Büro des Apothekers bildet er eine räumliche Einheit, die intensive Beratungsgespräche ermöglicht, ohne Enge entstehen zu lassen.

Qualität trotz knappem Budget

Besonders bemerkenswert ist die wirtschaftliche Umsetzung des Projekts. Die Kosten für den Möbelausbau betrugen lediglich rund ein Viertel dessen, was ein vergleichbarer hochwertiger Innenausbau üblicherweise gekostet hätte. Dem fertigen Ergebnis ist dies jedoch kaum anzusehen.

Durch den bewussten Verzicht auf kostenintensive Standardlösungen entstanden neue räumliche Qualitäten. So entwickelte sich aus dem offenen Arbeitsbereich, der transparenten Organisation und der kommunikativen Gestaltung ein Ort, der weit mehr sein möchte als eine klassische Verkaufsfläche.

Es entstand eine Apotheke als Ort der Begegnung, der Beratung und der Kommunikation – offen, nahbar und fest im Stadtteil verankert.

Weitere Referenzen

Weitere Projekte, Detailaufnahmen und Referenzen zum Thema Apothekendesign finden Sie auf unserem Pinterest-Board:

Pinterest-Board „Design Apotheke“

Projektdaten

  • Projekt: Düsseldorf Apotheke
  • Standort: Bilker Allee 57, 40219 Düsseldorf
  • Jahr: 2019
  • Maßnahme: Umbau
  • Gesamtfläche: 271 m²
  • Bauherr: Apotheker Dr. Gregor Müller