Stadt Apotheke Achern

Achern, 1985

Die Stadt-Apotheke in Achern war unsere erste Apotheke. Hier entstand 1985 der Gedanke, der unsere Arbeit bis heute prägt.

Dietmar Frensemeyer wäre eigentlich lieber Architekt geworden. Stattdessen wurde er Apotheker – allerdings einer, der Räume, Abläufe und Wirkung ungewöhnlich ernst nahm. Er wollte seine Apotheke nie als Marketingplattform der Industrie verstanden wissen. Keine Verkaufsständer. Keine Zahlteller. Keine Dekoration. „Ich habe meine Kunden nicht behandelt, als würden sie am Flipper stehen.“

Gleichzeitig dachte er nach vorne. Schon 1976 investierte er in den ersten Computer. 1985 nahm er 500.000 Mark in die Hand und beauftragte den jungen Klaus Richard Bürger mit dem kompletten Umbau der Stadt-Apotheke.

Frensemeyers Vision war klar: eine Apotheke, die pharmazeutische und akademische Kompetenz ausstrahlt, die täglichen Fragen der Kundenbegegnung langfristig beantwortet, seinen Mitarbeitern einen transparenten, freundlichen und perfekt funktionierenden Arbeitsplatz bietet und einzigartig, unverwechselbar, unnachahmbar und zeitlos gestaltet ist.

Das Ergebnis brach mit vielen Gewohnheiten des damaligen Apothekenbaus. Die Rezeptur rückte sichtbar ins Zentrum. Zwei Schubsäulenzeilen standen mit dem Rücken zueinander frei im Raum. Arbeitsabläufe wurden nicht versteckt, sondern im Schaufenster einsehbar. Die Offizin wirkte dadurch offener und größer. Anstelle von Trennung entstand Offenheit und Verbindung.

Die Sichtwahl spielte dabei bewusst eine untergeordnete Rolle. Gerade dadurch wurde Kommunikation notwendig. Wer nicht einfach nur ins Regal greift, kommt ins Gespräch. Transparente Abläufe schaffen Vertrauen. Beratung wird nicht behauptet, sondern räumlich gefördert.

Auch technisch war die Apotheke ihrer Zeit voraus. Eines der ersten Geschäfte mit Halogenbeleuchtung. Auch das von Klaus Bürger gestaltete minimalistische Design-Kassensystem verschwand mit nur neun Zentimetern Einbautiefe im HV-Tisch. Der Kunde bezahlte dort, wo er beraten wurde. Keine zentrale Registrierkasse, keine Gesprächsunterbrechung, keine Staus im Handverkauf.

Damals pilgerten die Menschen tatsächlich nach Achern, um diese neuartige Apotheke zu sehen. Dietmar Frensemeyer stand wie ein Zirkusdirektor vor dem Schaufenster und sagte voller Stolz:

„Hier wurde an einer Fuge mehr nachgedacht als sonst an einer ganzen Apotheke!“

Der Satz klingt groß. Die Apotheke hält ihn aus.

Denn fast vier Jahrzehnte später ist sie nicht einfach ein frühes Projekt, sondern ein Beweis. Die Einrichtung konnte vom Nachfolger Axel Fels nahezu vollständig übernommen werden. Die Rezeptur wurde an neue Vorschriften angepasst, die alte Niedervolt-Beleuchtung mit LED-Technik modernisiert, hochwertige und robuste Konstruktionen weitergenutzt.

Aus der Stadt-Apotheke Achern entstand in den folgenden Jahren kein Stil, den man kopieren konnte. Es entstand eine Arbeitsweise: Apotheken nicht als Verkaufsräume zu verstehen, sondern als Orte der Kompetenz, der Kommunikation und der Identität.

Das macht Achern bis heute besonders.

Nicht, weil es unsere erste Apotheke war.

Sondern weil hier bereits alles angelegt ist, was später weiterentwickelt wurde.


Weiterführende Informationen

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Pinterest-Board „Design Apotheke“

Projektdaten

  • Projekt: Stadt-Apotheke Achern
  • Adresse: Hauptstraße 1, 77855 Achern
  • Entwurf: Klaus Bürger Architektur
  • Umbau: 1985
  • Gesamtfläche: ca. 178 m² sichtbarer Bereich aus Arbeiten, Lager und Offizin
  • Besonderheiten: Erste Apotheke von Klaus Bürger Architektur · Offene Rezeptur im Zentrum · Transparente Arbeitsabläufe · Zwei frei im Raum stehende Schubsäulenzeilen · Bewusst reduzierte Sichtwahl zugunsten von Kommunikation · Minimalistisches Design-Kassensystem im HV-Tisch · Einrichtung nach fast vier Jahrzehnten nahezu vollständig übernommen und weiterentwickelt

Seit fast vierzig Jahren wird der Apothekenbranche in regelmäßigen Abständen erklärt, sie müsse sich neu erfinden. Geblieben ist am Ende vor allem eines: der vertrauensvolle Austausch zwischen Apotheker und Kunde – und die Stärke, den Mut zur eigenen Individualität aus fachlicher Kompetenz und persönlicher Überzeugung zu schöpfen. Vielleicht ist genau das der Grund, warum Dietmar Frensemeyers Vision von 1985 heute aktueller wirkt denn je.

Wenn Sie mit uns die Dinge auf den Kopf stellen möchten, freuen wir uns auf ein Gespräch.

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